Wut im Yoga: 3 Wege, wie du mit starken Emotionen auf der Matte umgehst
- Kate Bono

- 23. Nov.
- 5 Min. Lesezeit

Du fragst Dich vielleicht: "Man wird beim Yoga wütend?" - Ja, das kann durchaus passieren. Im Yoga - gerade dann, wenn es herausfordernd oder tiefgreifend ist - können angestaute Emotionen aus den Tiefen unserer Zellen hervortreten und uns ma
nchmal auch sehr fordern.
Aber Wut ist nicht die einzige Emotion, sondern es kann auch durchaus mal die ein oder andere Träne fließen. Manchmal aus Wut, oder Trauer oder aus Befreiung. Weil nach der negativen Emotion endlich die positiven Gefühle fließen können. Liebe, Mitgefühl, Verständnis, Freude, Dankbarkeit.
Als ich vor über 15 Jahren meine Lehrer-Ausbildung startete, war ich die Heulsuse in Person. Echt wahr! Ich musste schon selbst lachen, dabei war mir oft nicht nach Lachen zumute. Weil mich alles so traurig machte, was in meiner Vergangenheit so passiert war oder weil alles plötzlich mein Herz berührte. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass ich so tief empfinden kann. Wenn das Herz sich öffnet ist das für manche ein ganz neues Gefühl. Aber es ist wundervoll. Im Yoga habe ich gelernt, dass wir nicht immer alles aus unserer Vergangenheit durchkauen müssen, was uns einst passiert ist. Es müssen keine Erinnerungen durchgekaut werden, weil es nicht die Erinnerungen sind, die uns schmerzen, sondern die Emotionen, die sich „eingelagert“ haben. Sie halten die Erinnerungen als schmerzhafte Emotion fest. Wie eine Eisenklaue.
Wut ist eine sehr starke Energie. Wenn wir sie nicht ausleben, kann sie wie ein Feuer in unserem Körper brennen und sogar zu Zorn, Hass und Rachegefühlen führen. Das kann sich im Körper als Entzündung zeigen. Egal wo. Ob in Organen, Magen-Darm-Bereich, Drüsen, Zähnen oder Gelenken usw.
Wut ist ebenso eine kreative Energie. Wenn wir sie positiv transformieren, können wir mit dieser Energie Berge versetzen. Aber dafür müssen wir hindurch gehen. Wir dürfen sie fühlen. Es aber nicht erzwingen. Du darfst lernen es fließen zu lassen.
Diese Emotion WUT im Yoga ist ebenso eine Begleiterscheinung meiner Ausbildung gewesen. Manche Kriyas im Kundalini Yoga haben mich so aggro gemacht, eine der Teilnehmerinnen hat mich mit ihrem Verhalten derart getriggert, dass ich ihr am Liebsten meine Teekanne auf die… um die Ohren gehauen hätte. Und das meine ich wirklich so. Ich bin in einer 31-Minuten-Meditation rausgerannt, nach nicht mal 3 Minuten, weil ich mich nicht mehr unter Kontrolle bekam. Zu ihrem Schutz.
Mein Ausbilder kam hinterher und meinte, ich solle sofort wieder rein gehen. Ich weigerte mich und erzählte ihm durch zusammengekniffene Zähne: „Ich hau der Alten die Teekanne um die Ohren!“
„Nein, das tust Du nicht“, erwiderte der Yogi mit seinem Turban und seinem Bart. Er sprach sehr ruhig und liebevoll, aber auch bestimmt und lächelte amüsiert.
„Doch, das macht mich aggressiv!“
Ich ging dennoch wieder rein, weil er mir erklärte, dass ich da durch gehen muss. Diese Emotionen waren im Basischakra – im ersten Wurzelchakra – gespeichert. Wenn ich da nicht aufräume, bleibt das blockiert und hindert mich zukünftig daran, mich weiter zu entwickeln. Na super. Die Wurzelschleuse. Dort sass bei mir damals enorm viel Wut. Mir wurde klar, dass ich deswegen die Rückbildung nach der Geburt meiner Kinder geschwänzt habe. Weil wir dort den „Aufzug“ mit unseren Körperöffnungen machen mussten, um den Beckenboden wieder zu stärken. Das hat mich so aggro gemacht, ich fand das so ätzend, dass ich nie wieder hin bin.
Und über 15 Jahre lang fast inkontinent war. Ich konnte nicht einmal mehr beim Fitnesstudio mithüpfen im Training. Oder wenn ich Pech hatte und nieste. Meinem Ausbilder sei dank, bin ich wieder in diese Meditation und stellte die Teekanne weit weg.
Tatsächlich wurde die Wut und auch die blöde Teilnehmerin meine besten Freunde. Denn sie klebte an mir wie eine Klette und während gemeinsamer Meditationen und Paar-Aufgaben lernten wir uns besser kennen. Ich lernte, dass sie genau so arm dran war wie ich. Was bei mir die Wut war, war bei ihr das Geltungsbedürfnis. Und das hatte sie ausgerechnet bei mir festgestellt: Sie wollte meine Aufmerksamkeit. Sie wollte mich ärgern. Ohne es zu wollen. Weil sie wollte, dass ich sie bemerkte. Weil sie dachte, sie wäre nicht gut genug meine Freundin zu sein. Und ich lehnte sie ab. Weil sie mir zu aufdringlich war.
Klingt komisch, ist aber so. Unsere Emotionen steuern uns so oft, bis wir sie entdeckt haben, damit arbeiten und sie letztendlich heilen können.
Nun glaub´aber nicht, dass das vor 15 Jahren damit alles gegessen war. Auch wenn die Yogini und ich tatsächlich richtig gute Freundinnen wurden, ich durch meine Agressionen hindurch ging, gibt es auch heute noch Yoga-Asanas, die mich total wütend machen. Das habe ich durch YinYoga & Somatisches Training vor Jahren herausgefunden, einige Teilnehmer begleite ich durch diese Emotionen und auch Marc und ich jammern manchmal in unserer Yoga-Praxis, weil uns diese oder jene Asana an unsere Grenzen bringt, nicht aufzustehen und zu gehen.
Du wirst lachen. Ich mache eine FaceYoga-Fortbildung, bei der wir über einen längeren Zeitraum gewisse Muskeln halten. Das sind nur 30 Sekunden. Diese 30 Sekunden machen mich teilweise so wütend, dass ich laut atmen muss, um nicht abzubrechen. Da denkt man, als Vollblutyogi hat man bereits alles durchlaufen. Eben nicht.
Selbst in unserem Gesicht haben wir Muskeln und Zellen, in denen solche negativen Emotionen gespeichert sind und erst durch Training aktiviert, getriggert werden und dadurch geheilt werden können. Dafür muss ich nicht wissen, was genau da gespeichert ist, es muss nur die Emotion da herauskommen. Bis sie gänzlich verschwunden sind. Wie der Saft aus einer Zitrone.
Was also tue ich, um diese Emotionen auszuhalten?
1. Anhalten & bewusst atmen - Du musst nichts weiter "durchziehen", du musst es nicht aushalten, wenn Du nicht bereit dafür bist. Wut kann auch Überforderung sein, es ist ein Widerstand der hochkommt, ein altes Muster, das berührt wurde.
Der erste Schritt ist also STOP. Oder Du gehst in eine leichte Bewegung. Gerade da setzt das somatische Training in YinSomaYoga ein - leichtes Schwingen statt Erzwingen.
2. Wahrnehmen, ohne zu bewerten - Ich lasse die Emotion vollkommen zu – ich lehne sie nicht ab, ich lasse sie kommen und gehe hindurch. Manchmal auch mit Schimpfen oder Weinen. Nicht analysieren. Nicht wegdrücken. Fühlen.
Da ist diese Emotion. (z.B. Wut, Trauer, Hilflosigkeit, Überforderung etc.). Fühle, wo sie sitzt. Wo Du sie fühlst. Das ist der Moment, in dem sie weicher werden kann.
3. Position anpassen & die Energie kanalisieren - Die Emotion braucht einen Kanal. Wenn die Asana oder Bewegung oder Haltung dir nicht gut tut, löse Dich davon und gehe z.B. in die Kindhaltung (um runterzukommen, dich geborgen zu fühlen). Schütteln kann ebenfalls helfen - Arme, Beine, Körper.
Ich erwarte nicht, dass sie sofort weg ist. Ich gebe nicht auf. Ich gehe weiterhin oder immer mal wieder in die Übungen hinein, auch wenn mein innerer Saboteur mir erklärt, ich könnte doch mal ein oder zwei Tage auslassen. Der macht sonst wieder ein oder zwei Wochen Pause draus. Aber ich lasse mir Zeit. Heilung ist kein Fast-Food-Restaurant!
Kundalini Yoga, Yin Yoga & YinSomaYoga sind für mich zielführend, durch diese Emotionen hindurchzugehen, um sie lernen loszulassen. Vielleicht hast Du Lust es mal auszuprobieren, ein Video mit einer Kriya aus dem Kundalini Yoga habe ich auf Youtube zum Thema "Kämpfe bestehen - vielleicht auch nur mit Dir selbst!"

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