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Vom Weglaufen zum Ankommen - Warum Selbstliebe so schwer fällt

Eine Frau hält ihre Hände aufs Herz

Die Ursachen für mangelnde Selbstliebe sind schnell gefunden. Als Kind gemobbt, ob in der Schule oder im Elternhaus. Sätze wie "Du bist zu blöd dafür" oder "Oh, kuck mal wie dumm der ist" oder "Du fette Kuh!" sind nicht nur sehr verletzend, sie brennen sich ein.

Anfangs reagieren wir vielleicht als Kinder noch mit: "Stimmt gar nicht!", aber später finden wir vielleicht heraus, dass es doch tiefer ging, als wir dachten.


Während ich mit 14 Jahren noch die schlankeste und größte der Klasse war, sportlich und gut in der Schule, passierte in diesem Lebensjahr etwas mit meinem Körper, was für mich nicht vorhersehbar war. Ich ging auseinander wie ein Hefekuchen, bekam mehr weibliche Rundungen als meine Kleidung ertragen konnte und mein Bodyshaming begann. In der Schule nannten mich manche Mädchen "Mondgesicht", mein Vater zuhause hatte zu viel Lindenstraße gekuckt und nannte mich "Fette Walze". Mit Zwanzig hatte ich meine erste Essstörung. Dass das alles ausgelöst wurde durch zu viel Cortison seit der Kindheit aufgrund meines Asthmas, sagte man mir damals nicht. Ich landete in Suchtverhalten auf vielen Ebenen. Ob Zigaretten, Alkohol, Abenteuer, Medikamente...


Die Geschichte könnte jetzt noch seitenweise so weitergehen, auf welche Art und Weise man mir meinen Selbstwert von Außen genommen hatte, aber ich hasche hier nicht nach Mitleid, sondern ich möchte ein Beispiel dafür geben, dass wir alle mehr oder weniger solche Erfahrungen gemacht haben. ABER das Entscheidende ist, dass diese Erfahrungen unser Leben und unseren Selbstwert bestimmen - doch das sollten wir nicht erlauben!


Ja, es war schlimm. Und ja, es hallt wie ein Echo durch unser System, weil es echt verletztend war, was manche Menschen in unserem Leben gesagt oder getan haben. Aber was daran bringt uns nun weiter? Die Vorwurfshaltung? Die Opferhaltung? Nein!

Also beginne damit, Deinen Frieden damit zu machen. Nicht mit den anderen, sondern mit Dir selbst! Und wenn heute noch jemand diesen Selbstwert anzweifelt, kündige ihm die Freundschaft oder sogar die Familienschaft.


Entscheide Dich dazu, dass niemand mehr Deinen Selbstwert anzweifeln darf, allem voran auch Du selbst nicht. Und dann beginne für Deinen Wert einzustehen.


Meine Lieblingsgeschichte zum Thema Selbstwert handelt von mir und Louise L. Hay. In einem ihrer Bücher gab sie die Aufgabe, vor einen Spiegel zu treten und sich selbst in die Augen zu blicken und zu sagen: "Ich liebe Dich. Ich liebe Dich wirklich!"

Und so banal das klingt - genau das ist der Punkt!

Ich konnte es tagelang oder sogar wochenlang nicht oder immer nur ein bischen. Ich konnte mir nicht in die Augen schauen. Es erschreckte mich total, wie sehr ich mich selbst zu hassen schien. Warum konnte ich das nicht tun? Aber ich kämpfte. Immer wieder.

Bis zu dem Tag, an dem ich mir selbst in die Augen schauen konnte und diese Worte voller Überzeugung und lachend mir selbst sagte: "Ich liebe Dich! Ich liebe Dich wirklich!" - ich weinte vor Glück. Mit dieser Übung habe ich nie aufgehört. Immer wieder zwischendurch erinnere ich mich daran, gehe vor den Spiegel und schaue mir in die Augen.


Probiere das mal aus! Ich wünsche Dir, dass es Dir leicht fällt!


Dennoch gab es für mich die nächsten Jahre noch viel zu lernen. Selbstwert ist eben kein FastFood-Healing. Und wir wurden auf so viele Arten verletzt und herabgesetzt, man könnte sagen, die Matrix ist darauf ausgerichtet uns zu downgraden, damit wir nicht in unsere Kraft kommen.

Die Liebe zum Beispiel. Ich habe mich früher für die Liebe zu einem Mann aufgeopfert. Mehr als einmal. Heute weiß ich, dass es reines Suchtverhalten war. Ich wollte zurück geliebt werden, weil ich mich sonst nicht selbst lieben konnte.


Liebe Dich selbst, und Du....! - Ach, halt die Klappe!


Dann kam die Zeit, in der ich Bücher las, auf denen geschrieben stand: "Liebe Dich selbst, und du...". Ich las und lernte und übte. Irgendwann sagte ich zu einer Freundin: "Ich glaub je mehr ich mich selbst liebe, desto schwieriger wird es einen Mann zu finden!" Wir lachten darüber, aber es stimmte. Ich lernte einen Mann kennen und sobald er mir blöd kam, ignorierte ich in zukünftig und er war für mich nicht mehr existent. Es frustrierte mich. Ich sah so viele Paare, die über Jahre hinweg zusammen waren, aber hatten die tatsächlich so viele Bücher über Selbstliebe gelesen? Waren die alle so viel weiter oder geheilter als ich, was die Liebe betraf? Ich liebte mich doch so sehr selbst, dass ich bald Schmetterlinge pupsen könnte, also wo war das Problem?


Naja, ein weiterer Stein auf meiner Selbstliebe-Reise war dann die Begegnung mit einem Mann, der mir zeigte, dass meine Selbstliebe nur aufgesetzt war. Er war das Schmierkelpapier für mein Herz. Ich schrieb drei Bände darüber mit dem Titel "In Wahrheit gelogen", um all das zu verarbeiten. Wie also war ich in dieses Schlamassel geraten, dass ich mich schon wieder so unter Wert verkaufte und mir das alles gefallen ließ? Doch ganz egal - meine höheres Selbst sprang ein und half mir aus diesem Schlamassel heraus. Wenn wir nämlich über unsere Belastungsgrenze gehen, kommt entweder der Total-Absturz oder der Abstoß von der Unterkante. Unser höheres Selbst kennt den Weg und manchmal kann es einfach nicht mehr mit ansehen, wo wir uns gerade befinden. Du triffst die Wahl - bleibst Du unten oder stößt Du Dich ab?


ES REICHT JETZT!


In 2019 lernte ich diesen Satz, den mein höheres Selbst bereits Anfang 2018 angewendet hatte und mir laut ins Ohr schrie. Ich schleppte mich also fast ein Jahr lang durch die Tiefen meines nicht mehr vorhandenen Selbstwertes, gab aber nicht auf. Ehrlichgesagt wendete ich mich nicht mehr meinem Selbstwert zu, sondern der Arbeit an meinem höheren Selbst, an meiner Intuition, an meinem WERT an sich. Ich lernte neue Skills, neue Fähigkeiten, mich aus Tiefs herauszuholen. Und Schwächen zu meinen Stärken zu machen.


Mein Selbstwert ist hoch genug, dass ich sage: "Ich liebe Dich, aber ich liebe mich mehr!", wenn ich merke, dass Menschen oder auch meine Liebsten mich Energie kosten, die ich gerade nicht habe. Aber mein Selbstwert ist noch immer nicht bei 100%, eher bei 73,74 %.


Vor der Plandemie hatte ich meinen eigenen Yogaraum und viele Schüler. Als ich den geschlossen habe, dachte ich, dass ich nie wieder unterrichten würde. Einige Schüler baten mich darum, dass ich online über Zoom unterrichten sollte. Doch ich war so scheu, so unsicher. Ich - vor der Kamera? Meine beiden Videos, die ich auf Youtube hochgeladen hatte, waren gefühlt 30 Mal geschnitten, bearbeitet und hatten mehrere Anläufe gebraucht, dass ich überhaupt den Mut hatte sie hochzuladen, aber live? Ich?

Die Industrie und Werbung zeigt Yogalehrer und Schüler in so toller Shape, tolle Klamotten, perfekte Haltung, Muskeln, kein Gramm Fett. Und ich?

Die mopsige Yogalehrerin mit dem Mondgesicht. So sah ich mich selbst. Ich hatte außerdem gar nicht das Geld für tolle Yogaklamotten. Ich sah mir all die perfekten Yogavideos und Yogastudios online an. Und wurde immer kleiner. Ich bin nicht gut genug.


Ich tat es trotzdem! Unperfekt, un-in-shape, einfach wie ich bin. Ich machte mich gefasst auf Mobbing auf Youtube oder Geläster. Ich stellte mich all dem trotzdem. Denn mein Mut ist größer als meine Angst! Und heute liebe ich mich, so wie ich bin, in meinen Videos und die Scheu ist verschwunden. Auch wenn mein Selbstwert nicht immer so ist, wie ich das gerne hätte.


Damit möchte ich Dir heute mitgeben, dass Du keinen perfekten Selbstwert benötigst. Dass Du Dich nicht damit abmühen solltest es unbedingt so zu heilen, dass er auf 100% steigt. Sondern nimm Deinen vorhandenen Selbstwert mit auf Deine Reise, so klein er auch sein mag, und zeig ihm, was ihr alles zusammen erleben könnt, wenn ihr neue Wege geht.


Ich liebe Dich! - ist der erste Weg zu Dir selbst!





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