top of page

Entschleunigung im Alltag: Warum wir alles „schnell schnell“ machen – und wie wir damit aufhören können

Yogaübung auf Herbsthintergrund

„Ich geh mal schnell auf die Toilette!“

„Ich geh mal schnell einkaufen!“

„Ich mach das mal schnell!“

„Schnell noch was essen und dann los!“

„Mach schnell!“

 

Kommt dir das bekannt vor? Mir definitiv, denn ich benutzte das fast jeden Tag und die Menschen in meinem Umfeld ebenfalls. Und dann sah ich vor ca. 2 Wochen den Reel einer Amerikanerin, die das ebenfalls feststellte und sich fragte: „Warum tun wir das?“ Und genau da bin ich aufgewacht.


Diese Einstellung des „Schnell-machens“ lässt unseren Körper und unser Nervensystem ständig denken, wir wären auf der Flucht. Ja aber vor was? Vor der Zeit?


Warum gehen wir „noch mal schnell auf Toilette“ – wenn der Toilettengang nicht nur etwas Notwendiges ist, sondern wir uns für so etwas doch einfach mal Zeit lassen sollten. Es geht ja nicht schneller, wenn ich es hektisch tue. Ganz  im Gegenteil. Wer sich Zeit lässt für seinen Toilettengang hat in der Regel eine bessere Verdauung – weil er nichts unterdrückt, weil er sich Zeit nimmt, weil er seinem Körper die Möglichkeit gibt seine Ausscheidungsorgane zu entspannen. Wann tut man das denn sonst? Niemals! Sich „gehen zu lassen“ außerhalb einer Toilette können nur Babies mit Windeln. Besser ist das.


Dieser Reel bzw. die Aussage darin verfolgte mich seit dem. Allerdings im positiven Sinne. Zudem habe ich das Marc und meinen YogiNis erzählt, das hat bei allen zu einem Aha-Effekt geführt. Marc und ich erinnern uns jetzt gegenseitig daran, dass wir ZEIT haben. Dass wir uns nicht stressen müssen, wenn einer von uns nochmal auf die Toilette muss.


Der Aha-Moment


Hast Du mal bemerkt, wie hektisch du den Esstisch und die Anrichte der Küche putzt, weil es vielleicht lästig ist und Du etwas anderes geplant hast, die Küche also schnell hinter Dich bringen willst? Das ist sogar verständlich! Doch fühl einmal in Dich hinein, sobald Du bemerkst, dass Du es „schnell schnell“ tust! Dein Körper ist im Stress. Selbst wenn es nur ein klitzekleines bischen ist. Dein Nervensystem denkt, Du wärst auf der Flucht. Es fragt nicht einmal warum. Bis Du dich selbst fragst.

Als ich den Tisch und die Anrichte abwischte, stellte ich einen Tag nach dem Reel nämlich fest: Warum tue ich das mit so einer vehementen Hektik? Und tat es langsamer. Das fühlte sich wundervoll an!


Klar ist es für uns normal in Hektik und Stress zu verfallen, wenn wir zu einem Termin müssen und uns die Zeit jagt. Wir wollten eigentlich um 9:45 Uhr los, damit wir pünktlich um 10:30 Uhr beim Termin sitzen können. Ja, es gibt penetrante Zuspätkommer – denen scheint das gänzlich egal zu sein. Aber mir? Ich stresse mich schon vor dem Termin. Schaue auf die Uhr, ich esse noch schnell was. Ich trinke noch schnell was und geh auch noch schnell mal aufs Klo. Ich zieh mir noch schnell meinen Schal an und für meine Schuhe habe ich auch keine Zeit. Ich stresse mich auf der Fahrt, da ich natürlich wieder 2 Minuten zu spät losgefahren bin und dann stresst mich, dass der Typ vor mir viel zu langsam fährt, die Ampeln alle rot sind und dann stresst mich, dass man mich vielleicht böse ankucken könnte, wenn ich zu spät komme… STOP!

Zwei Tage nach dem Reel merkte ich mehr und mehr, dass ich ständig unter Stress lebe.


Ständig auf der Flucht vor Nichts!


Und dann entschleunigte ich die Zeit.

Ja, Du hast richtig gelesen: Ich entscheunigte die Zeit, indem ich mich entschleunigte.


Atmen. Und zwar so lange, bis ich ruhiger bin.


Atmung als Sofort-Hilfe: 5-8-Atmung für mehr Ruhe


Eine wundervolle Technik um das Nervensystem zu beruhigen ist:


·        5 Sekunden einatmen

·        8 Sekunden ausatmen

·        1, 2 oder sogar 3 Minuten lang

·        dabei die Augen schließen, ganz auf den Moment fokussieren, langsam werden.


Mittlerweile erinnern Marc und ich uns gegenseitig daran, dass wir etwas mal wieder mit „ich mach mal eben schnell“ tun wollen.

„Nein, mach es langsam!“, sagen wir. Und atmen einmal tief durch. „Stimmt.“


Und weißt Du, was passiert ist? Die Tage wurden langsamer. Die letzten 2 Wochen waren unsere Übungsphase. Die letzten 3 Tage sind entschleunigt. Wir haben für alles Zeit. Diese Entschleunigung im Alltag ist wie Balsam für die Seele.


Mein neuer Newsletter sollte heute starten. Aber ich habe mir ZEIT gelassen, alles wirklich in Ruhe zu schreiben. Dann geht er eben erst morgen raus… ich bin ja nicht auf der Flucht.


YinSomaYoga ist für mich die Hingabe an den Moment. Auch im Yoga haben wir manchmal das Gefühl, die Übung soll doch endlich vorbei gehen, oder die Meditation triggert uns. Aber das ist ein anderes Thema für´s nächste Mal.



1 Kommentar


Sandra-Schettler
vor 6 Tagen

Mein Aha-Moment war letzten Freitag morgen beim Kundalini Yoga, als du davon erzählt hast. Und ja auch ich bin ein: " - ich mach schnell noch dies und dann mach ich schnell noch das-" -Mensch und auch immer mit dieser wörtlicher Ankündigung :) Die letzten 3 Tage habe ich darauf geachtet und mich nicht mehr gehetzt und selber angetrieben. Das tut sooo gut!

Gefällt mir
bottom of page