Wann sind wir wirklich wach? - Träumst du noch, oder bist du schon im bewusst sein?
- Kate Bono

- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Vor drei Monaten fand der erste Wachzustand statt – ein Treffen, das als kleine Idee zu einem fast schon banalen Stammtisch begann und zu einer Begegnung von über 60 Menschen wurde. Menschen, die sich gesehen, verbunden und präsent gefühlt haben.
Ich erinnere mich an viele Details dieses Abends. An Blicke, an Lächeln, an stille Momente zwischen Worten. An das Gefühl, dass etwas Verbindendes im Raum war – trotz aller Unterschiede, trotz verschiedener Lebenswege.
"Endlich muss ich nicht mehr aufpassen, was ich sage", war einer der häufigsten Sätze an diesem Abend. Unsere Gesellschaft wirkt oft verhärtet, viele Themen scheinen nicht mehr nebeneinander existieren zu dürfen. Oder Horizonte haben einfach keine Mischmengen mehr. Dabei sollten unterschiedliche Überzeugungen kein Grund dafür sein, sich anzufeinden. Wir lernen doch gerade durch andere Perspektiven.
Ich habe früher schon immer abgelehnt in eine Diskussion zu gehen. Nicht, dass ich abrupt das Gespräch verließ, sondern ich sagte: "Darüber muss man nicht diskutieren - jeder hat seine Meinung!" Manche Menschen brauchen den Widerstand, um sich lebendig zu fühlen. Ich habe jedoch keinen inneren Drang mehr, recht haben zu müssen. Ich verlasse das Gespräch oder schwenke auf ein anderes Thema um.
Vor Kurzem sagte mir eine neue Freundin:
„Danke, dass du mir Raum für meine Meinung gegeben hast, obwohl du anders denkst.“
Sie gerät oft in Diskussionen, weil ihre Überzeugungen stark sind. Ich kann das verstehen – es kostet Kraft, sich immer wieder erklären zu müssen. Heute kann ich Meinungen stehen lassen, ohne sie verstehen, akzeptieren oder teilen zu müssen.
Für mich ist genau das ein Zustand von Wachheit:
da zu sein.
Mit dem Herzen.
Mit dem Körper.
Mit dem Moment.
Die Energie ist eins der wichtigsten Zahlungsmittel, die wir haben. Ich sage absichtlich und bewusst so - denn es kann teuer werden, wenn du nicht acht gibst auf deine Energie. Kämpfe, Diskussionen und das ständige Recht-haben-wollen selbst wenn man tatsächlich recht hat, kostet Energie. Manchmal reicht schon ein einziges Gesprächsthema, um uns auszusaugen. Es ist wichtig, dass wir darauf achten, diesen Energiesog zu beenden. Ganz egal welche Reaktion der Gegenüber zeigen mag.
Wach zu sein bedeutet für mich, diese Energieströme wahrzunehmen. Nicht alles wissen zu müssen, sondern achtsam zu sein. Im Hier und Jetzt. Für Begegnung. Für das, was zwischen uns entsteht – und für das, was uns Kraft kostet.
Oft bewegen wir uns durch unseren Alltag wie im Autopilot-Modus. Wir funktionieren, erledigen Aufgaben, denken voraus. Dabei verlieren wir leicht den Kontakt zu dem, was wir gerade fühlen oder brauchen. Wach zu sein bedeutet für mich nicht, alle Antworten zu haben. Es bedeutet, wahrzunehmen, was jetzt da ist.
Viele Menschen spüren, dass sich etwas verändern möchte.
Dass alte Muster nicht mehr tragen. Dass das Leben nach mehr Tiefe, mehr Echtheit, mehr Verbindung ruft.
Der Wachzustand, wie ich ihn verstehe, ist kein Konzept und keine Lehre.
Er ist eine Einladung.
Eine Einladung, Fragen zu stellen – ohne Druck, sie sofort beantworten zu müssen. Eine Einladung, Gemeinschaft zu erleben, ohne sich erklären zu müssen. Eine Einladung, sich selbst wieder ein Stück näher zu kommen.
In einer Welt, die oft laut und schnell ist, entsteht hier Raum für Langsamkeit. Für Zuhören. Für das, was zwischen den Worten geschieht. Genau das ist auch ein zentraler Aspekt von Yoga:
Präsenz. Verkörperung. Bewusstes Sein.
Wir planen, den Wachzustand als regelmäßiges Event weiterzuführen – als Ort der Begegnung, des Austauschs und der bewussten Verbindung. Nicht, um etwas zu beweisen. Sondern um gemeinsam zu sein.
Wann genau der nächste Wachzustand stattfindet, wird sich zeigen. Manches braucht Zeit, um in die richtige Form zu finden. Und manchmal ist genau das Teil des Weges: dem Leben zu erlauben, sich im eigenen Rhythmus zu entfalten.
Vielleicht ist Wachsein nichts Spektakuläres.
Vielleicht ist es einfach das sanfte Erinnern daran, dass wir hier sind.
Jetzt.
Und verbunden.
Vielleicht sehen wir uns im nächsten Wachzustand.



Kommentare