Ich habe das Warten satt - Alte Beziehungsmuster erkennen und durchbrechen.
Aktualisiert: 11. Okt.
Warum ich mit 53 beschlossen habe, nicht länger im Wartezimmer meines eigenen Lebens zu sitzen.

Ich bin 53. Und mir ist auf Ko Samui etwas bewusst geworden, das wie ein innerer Schrei an einem Tag immer lauter wurde.
Ich habe mein halbes Leben gewartet.
Darauf, dass jemand Zeit hat. Dass jemand fertig ist. Dass jemand gute Laune hat. Dass der richtige Moment kommt. Dass die Kinder größer werden. Wobei ich diese Zeit mit meinen Kindern geliebt habe - nicht falsch verstehen. All die kleinen und großen Meilensteine. Darauf zurück zu blicken ist wunderschön.
Aber irgendwann ging das Warten einfach weiter.
Auf den Chef, der meine Arbeit endlich wertschätzt. Auf die Gehaltserhöhung. Auf die Beförderung. Auf einen Partner, der bereit ist etwas zu ändern. Auf ein Leben, das sich endlich nach meinem Leben anfühlt.
Und an diesem einen Morgen habe ich mich gefragt:
Worauf zum Henker warte ich eigentlich noch?
Der Feind in meinem Bett.
Das klingt hart, oder?
Aber genau so habe ich es irgendwann empfunden.
Ich bin mit meinem Vater aufgewachsen, dessen Alkoholkonsum und Verhalten mein Leben geprägt haben. Meine Mutter war krank. Schon als Jugendliche kannte ich dieses Gefühl, ständig unter Strom zu stehen. Nie genau zu wissen, welche Stimmung mich erwartet.
Wann es wieder laut wird. Wann ich besser nichts sage.
Wann ich mich lieber unsichtbar mache.
Ich habe früh gelernt, Menschen zu beobachten. Ihre Gesichter, ihre Stimmen, ihre Bewegungen. Ich konnte an Kleinigkeiten erkennen, ob Ärger in der Luft lag. Eine Fähigkeit, die mir später oft geholfen hat. Aber die auch ihren Preis hatte.
Denn wenn du ständig damit beschäftigt bist, die Stimmung anderer Menschen zu lesen, vergisst du irgendwann, auf deine eigene zu achten.
Und genau dieses alte Beziehungsmuster hat mich durch meine Beziehungen begleitet.
Mein Exmann. Der Mann danach. Der nächste Kerl danach...
Unterschiedliche Partner. Unterschiedliche Geschichten.
Und trotzdem immer wieder dieses vertraute Gefühl.
Ich bin zu Hause. Eigentlich an dem Ort, an dem ich mich sicher und geborgen fühlen sollte. Und trotzdem bin ich angespannt.
Weil jemand schlechte Laune hat. Weil ein falsches Wort genügt. Weil ich schon wieder überlege, ob ich etwas anspreche oder lieber schweige.
Dabei spreche ich nicht von körperlicher Gewalt - die habe ich nur durch meinen Vater erlebt. Ich spreche von emotionaler Bestrafung. Von Ignorieren, Schweigen, endlosen Diskussionen und schlechter Stimmung, die einen irgendwann dazu bringt, lieber gar nichts mehr zu sagen. Aber diese Stimmung belastet den Körper auf Dauer enorm. Und gräbt sich tief ins System, wie Nebenwirkungen eines Medikaments.
Frieden war für mich lange etwas, das davon abhing, wie es einem anderen Menschen gerade ging.
Ist das nicht verrückt?
Ich habe mich immer wieder selbst verlassen.
Ich habe mich so oft angepasst. Nicht, weil ich keine eigene Meinung hatte, ganz im Gegenteil - davon habe ich schon immer reichlich. Sondern weil ich keine Lust auf Streit hatte. Auf schlechte Stimmung. Auf Diskussionen, die nirgendwo hinführen.
Also habe ich gewartet.
Bis sich die Stimmung bessert.
Bis wieder ein guter Tag ist.
Und während ich auf diesen Moment gewartet habe, sind Wochen, Monate und Jahre vergangen. Ich habe mich gefragt, warum mir diese Muster immer wieder begegnen. In Ko Samui habe ich die Antwort erhalten. Weil ich durch Deep Release, Alleinsein, Zeit für mich und meinen Körper an tiefsitzende Traumata und Erinnerungen gelangt bin, die nicht angenehm waren. Die weh taten. Die mich fast zerrissen haben.
Doch mit jedem Tag wusste ich mehr: Ich heile. Ich lebe. Ich atme.
Und ich kann jeden Tag eine neue Entscheidung treffen, dass die Vergangenheit nicht meine Gegenwart bestimmt.
Diese Reise habe ich aufgeschrieben. In tausend Worten und zig Kapiteln. Und wenn ich sie geordnet habe, werde ich euch alles erzählen. Denn es ist meine ganz persönliche Reise von ROOT. FLOW. RISE.
Denn für mich beginnt jeden Tag mein neues Leben. Jeder Tag gibt mir die Möglichkeit Dinge anders zu machen.
Und ich lerne, nicht mehr zu warten.
Nicht auf Menschen, die sich nicht verändern wollen.
Nicht auf Umstände, die mich einschränken.
Und schon gar nicht auf ein Leben, in dem ich mich selbst immer wieder klein mache.
Denn mein Leben wartet nicht auf mich.
Und ich habe beschlossen, auch nicht länger zu warten.
Mein REEL auf Insta von diesem Tag. Love, Kate Bono




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